Was ist Bier ?
Bier ist ein alkoholisches Getränk aus vergorenem und mit Hopfen
gewürzten Malzauszug.
Geschichte des Bieres
Bierbrauen ist eine uralte Fertigkeit, und sie ist über die ganze
Welt verbreitet: In Südamerika gibt es ein Maisbier, in Japan Reisbier,
Hirsebier in Teilen des afrikanischen Kontinents und in Deutschland wird
seit Jahrtausenden aus Gerste gebraut. Mancherorts braut man Bier
traditionell aber auch aus anderen Rohstoffen: Maniokknollen,
Ginsengwurzeln, Kokosmilch, Bananen.
Bier ist also keine
deutsche Spezialität, denn vor 6000 Jahren bei den Sumerern und später
bei den Babyloniern gab es schon eine ausgeprägte Kneipenkultur mit 20
Biersorten: Die Menschen brauten Schwarzbier, Dünnbier, Weißbier, ja
sogar ein Lagerbier, das tausend Kilometer weit weg nach Ägypten
exportiert wurde. Damals wurde im Zweistromland wohl ordentlich gezecht,
denn fast die Hälfte der Getreideernte soll in die Bierproduktion
geflossen sein.
Grundsätzlich startet man in Mitteleuropa immer
mit einem Getreide, denn aus der darin enthaltenen Stärke entsteht durch
die Tätigkeit von Enzymen Zucker und die Gärtätigkeit einer Hefe der
Alkohol. Wichtig ist dabei der Umweg von der Stärke über den Zucker zum
Alkohol.
Stärke besteht aus aneinandergeketteten
Zuckerbausteinen. Aber erst wenn man den in Stärke verpackten Zucker für
die Hefe zugänglich macht (Enzyme), dann kommt ein Gärungsprozeß in
Gang. Zucker ist die Nahrung der Hefe, und die macht dann daraus Alkohol
und Kohlendioxyd (sowie eine Vielzahl von Geschmacksstoffen).
Es
gibt sogar eine Parallele zwischen Bier und Brotproduktion: Bei beiden
bringt man Getreide und Hefe zusammen. Auch der Brotteig beginnt zu
gären - nur nutzt man hier das freigesetzte Kohlendioxyd als
Treibmittel, der Alkohol entweicht beim Backen.
Der Trick beim
Bierbrauen besteht darin, vor dem Gärprozeß möglichst viel Stärke in
Zucker umzuwandeln. Die Stärke im Getreidekorn wird auf ganz natürliche
Weise durch Enzyme in Zucker umgewandelt - und zwar genau dann, wenn das
Frühjahr beginnt und das Korn keimt. Die Pflanze braucht nämlich beim
Wachsen Zucker als Energielieferant.
Die Bierbrauer täuschen dem
Korn nun das Frühjahr vor: Mit Wärme und Feuchtigkeit. Das Korn
bereitet sich darauf vor, für das Wachstum der Pflanze Stärke in Zucker
umzuwandeln - das passiert beim sogenannten Mälzen. In der Mälzerei wird
die Gerste zum Keimen gebracht. Im Korn selbst tut sich dabei
entscheidendes: Der sogenannte Mehlkörper, der die Stärke enthält, ist
durch die Arbeit der Enzyme beim Keimen weich geworden, die Zellwände
sind durchlöchert und der Abbau der Stärke hat begonnen. Beim Keimen
wachsen an den Getreidekörnern Wurzeln. In diesem Stadium nennt man das
gekeimte, aber noch nicht getrocknete Malz Grünmalz. Wie bereits erwähnt
bilden sich Enzyme (Amylasen), die die Stärke in Zucker aufspalten.
Daneben werden beim Mälzen aber noch andere Enzyme gebildet, die
ebenfalls beim Maischen wieder aktiviert werden müssen : Proteasen zum
Abbau der Eiweißstoffe und Cytasen zur Auflösung der Zellwände.
Sobald
sich Enzyme in ausreichender Anzahl gebildet haben wird der Vorgang
durch Erwärmung, dem Darren abgebrochen. Hierbei dürfen die Enzyme nicht
geschädigt werden, folglich muß die Trocknung sehr vorsichtig erfolgen.
Um dies zur gewährleisten wird das Grünmalz durch indirekt
beheizte Darren in etwa 20 Stunden getrocknet, wodurch das typische
Malzaroma entsteht. Je nach gewünschtem Malztyp beträgt die Temperatur
zwischen 80 °C (helles Malz) und 105 °C (dunkles Malz). Bevor das Malz
nach mehrwöchiger Lagerung zum Brauen verwendet werden kann, erfolgt
noch das Entfernen der Keime und Wurzeln vom Malzkorn (Putzen).
Für
bestimmte Biere werden neben der Gerste auch andere Getreidesorten wie
beispielsweise Weizen, Roggen oder Dinkel zu Malz verarbeitet.
Eine
britische Forscherin von der Universität Cambridge hat anhand von
archäologischen Fundstücken nachgewiesen, wie die alten Ägypter Bier
brauten. Demnach kannte man bereits vor rund 3500 Jahren das Prinzip des
Mälzens und Maischens. Offenbar hatten schon die alten Ägypter erkannt,
daß vermälztes Getreide bei der Bierherstellung von Vorteil ist,
liefert es doch mehr Zucker für den Gärprozeß. Bisher hatten Forscher
geglaubt, das Nationalgetränk der Urägypter sei aus vergorenen
Brotstücken entstanden.
Auch die alten Germanen labten sich am
Bier. Der älteste Nachweis dafür, daß Bier auf deutschem Boden gebraut
wurde, stammt aus der frühen Hallstattzeit (also ca. 800 v. Chr.). Denn
genau auf diesen Zeitraum wurden Bieramphoren datiert, die in der Nähe
von Kulmbach gefunden wurden. Einige Jahrhunderte nach Chr. war Bier in
Deutschland eine gängige Handelsware. Belegt wird dies durch den Fund
des Bierverlegersteins (Grabstein eines Bierverlegers), der in der Nähe
von Trier entdeckt wurde. Bei den Germanen galt das Bier nicht nur als
Götteropfer, sondern wurde , wie bereits bei den Ägyptern,auch zum
eigenen Verzehr gebraut und spielte in ihrem Leben eine wichtige Rolle.
So sind in der finnischen Volksdichtung Kalewala dem Bier zum Beispiel
400 Verse gewidmet - für die Erschaffung der Welt reichten hingegen 200
Verse. Gemäß der Edda, dem großen nordischen Epos, war der Wein den
Göttern vorbehalten, das Bier gehörte den sterblichen und Met den
Bewohnern des Totenreiches. Das Brotbacken und das Bierbrauen gehörte in
den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung zu den Aufgaben der
Frauen. Dies änderte sich erst kurz vor der Jahrtausendwende, als man
begann sich in Klosterbrauereien mit der Braukunst zu beschäftigen.
Irische
Mönche brachten das Wissen um die Kunst des Bierbrauens nach
Mitteleuropa und gründeten im Ettal sowie St. Gallen in der Schweiz die
ersten Klosterbrauereien, welche sich von dort aus mit den Klöstern sehr
bald über den Kontinent ausbreiteten.
Ursprünglich bezweckten
die Mönche mit dem Bierbrauen die Gewinnung eines derartig nahrhaften
und wohlschmeckenden Getränks als Beikost zu ihren Mahlzeiten, die vor
allem während der Fastenzeiten sehr schmal war. Bier zu trinken war
nämlich immer erlaubt, denn "Flüssiges bricht das Fasten nicht". Der
Bierverbrauch in den Klöstern war recht beträchtlich. Für jeden
Klosterinsassen hat der Bierverzehr bei fünf Maß am Tag gelegen.
In
diesen mittelalterlichen Klosterbrauereien entwickelte sich bald eine
eigene Bierkultur, und das Klosterbier war meist von weit besserer
Qualität als die weltlichen und privaten Biere der Umgebung. Die daraus
entstandenen Klosterschenken bildeten eine interessante Einnahmequelle
für die Klöster.
Das Bier des Mittelalters hatte eine viel
größere Bedeutung als heute. Es war ein Grundnahrungsmittel, weil es
eine bakteriologisch einwandfreie Wasserversorgung noch nicht gab. Tee
und Kaffee waren noch nicht bekannt. Allerdings trank man hauptsächlich
Dünnbier.
Das Würzen des Bieres geschah nicht so wie heute mit
Hopfen. Vor dem Sieden wurden die Zusätze, die das Bier schmackhafter,
haltbarer und vor allem berauschender machen sollten, zugesetzt:
Sumpfporst, Gagel, Salbei, Heidekraut, Pilze, Harze, Schafgarbe,
Wacholder, Eichenrinde, Buchenasche, Eschenlaub, Nußlaub, Petersilie,
Weißpech, Anissamen, Kokkelskerne, Wermut, Beifuß und vor allem das
Bilsenkraut.
Hopfen als Zutat zum Bier wurde von der Äbtissin
Hildegard von Bingen um das Jahr 1079 im Kloster am Rupertsberg erwähnt.
Es löst damit das bisher verwendete Grut ab.
Das
„Reinheitsgebot", das der Bayernherzog Wilhelm IV. am 23. April 1516
erließ, trug mit dazu bei. Dieses hat auch heute noch seine Bedeutung.
Das vorläufige Biergesetz vom 29. 7. 1993 bestimmt nämlich: Zur
Bereitung von untergärigem Bier darf ... nur Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
und Wasser verwendet werden. Die absolute Einschränkung auf Gerstenmalz
gilt allerdings nur für untergäriges Bier. Für obergäriges Bier sind
auch Malze aus Weizen sowie Zucker zugelassen.
Als Hobbybrauer
sollten wir selbst entscheiden, was bei uns zum persönlichen
Reinheitsgebot gehört. Gern probieren wir auch einmal ein fremdes
Braurezept aus. Nur wer anderes kennt, weiß das Eigene zu schätzen.
Rezepte
hierzu bietet unter anderem auch das Internet auf seinen Bierseiten (
z.B.www.bier.de,www.netbeer.co.at/beer/ )In der Neuzeit setzte eine
rasante technologische Entwicklung ein, die industrielle Revolution.
1765, mit dem Durchbruch der Dampfmaschine von James Watt beginnt auch
der Einzug der Rationalisierung und Industrialisierung in den
Brauprozeß. 1835 wurde durch Eröffnung der ersten Deutschen
Eisenbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth das Transportwesen
entscheidend verändert. Das erste Transportgut waren zwei Fässer Bier.
Die
Einführung des Thermometers und der Zucker-Spindel (Saccharimeter) 1843
brachte weitere Verbesserungen. Durch die Erfindung der Kältemaschine
von Carl Linde wurde die Bierbrauerei erstmals weitgehend
witterungsunabhängig.
Entscheidenden Einfluß haben auch 1876 die
von Louis Pasteur stammende „Studien über das Bier" und 1881 die
Experimente des Dänen Christian Hansen. Ihm gelang es eine einzelne
Hefezelle zu isolieren und als Reinkultur zu vermehren . Er erbrachte
auch den Nachweis, das es unter- und obergärige Bierhefezellen gibt.
Im
19. Jahrhundert entstanden die meisten Brauereien in Deutschland. 1880
waren es etwa 19 000.
Die industrielle Bierproduktion hat die
häusliche Bierbereitung abgelöst.